Zwei würdige Preisträgerinnen
Minister Klaus Meiser ehrte die beiden engagierten Frauen, die sich in besonderem Maße um die kommunale Selbstverwaltung verdient gemacht haben, durch die Verleihung der Freiherr-vom-Stein-Medaille. Der Minister betonte, dass neben Ehrungen durch die Gemeinde selbst auch von staatlicher Seite die ehrenamtliche Tätigkeit von Bürgern in den Räten der Gemeinden und Gemeindeverbände herausgestellt und gewürdigt werden sollte.
Die Ehrung erfolgte durch die Überreichung einer eigens hierfür gestalteten Silbermedaille nebst einer Urkunde sowie zusätzlich einer kleinen Anstecknadel. Die Medaille trägt das Profilkopfbild des Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein, der am 25. Oktober 1757 geboren wurde und am 29. Juni 1831 verstarb.
Der Reichsfreiherr Karl vom und zum Stein gehört zu den Großen der deutschen Geschichte. Sein Name ist mit wichtigen Reformen verknüpft: der Selbstverwaltung der Städte und der Befreiung der Bauern vom Joch der Leibeigenschaft. Freiheit im Gemeinwesen und Teilhabe an seiner Gestaltung - das waren die wichtigsten Ziele, denen er mit seiner Arbeit diente.
Stein war kein Diplomat und blieb Zeit seines Lebens ein umstrittener Mann. Einige biographische Daten verdeutlichen dies: Im Jahre 1804 wurde er von König Friedrich Wilhelm III. zum preußischen Wirtschafts- und Finanzminister ernannt - nach der Niederlage von Jena und Auerstädt am 3. Januar 1807 jedoch wieder entlassen.
Bevor Stein nach dem Tilsiter Frieden mit Frankreich am 30. September 1807 als leitender Minister in die preußische Regierung zurückkehrte, verfasste er auf seinem Besitz in Nassau im Juni 1807 die berühmt gewordene „Nassausche Denkschrift“ - sein Programm einer Erneuerung des preußischen Staates durch die Beteiligung der Bürger an öffentlichen Aufgaben. Vom 30. September 1807 bis zu seinem endgültigen Ausscheiden aus dem preußischen Staatsdienst am 24. November 1808 gelang es ihm, dank seiner Entschlossenheit und Tatkraft ein grundlegendes Reformprogramm in wichtigen Teilbereichen durchzusetzen.
Die daraus resultierende Reformpolitik verfolgte primär das Ziel, die Wiederherstellung der im absolutistischen Feudalstaat verlorenen Bindung des Bürgers an den Staat. Seine zentrale Fragestellung lautete deshalb konsequenterweise: Wie kann der Bürgersinn („Gemeingeist“) wieder belebt werden. In der kommunalen Selbstverwaltung erkannte Stein die Antwort darauf und die Möglichkeit, den geänderten gesellschaftlichen Grundlagen Rechnung zu tragen und den politischen Entscheidungsprozeß auf die Bürgerschaft zu übertragen. Eckstein dieser damals unerhörten Neuerung war die Städteordnung vom 19. November 1808, die zunächst für die Städte wirksam wurde. Wenn auch die gegen den Obrigkeitsstaat gerichteten Freiheits- und Reformbemühungen an den altpreußischen Konservativen scheiterten und letztlich nur unvollständig realisiert werden konnten, so war die Forderung nach Gemeindefreiheit als Element liberalistischen Denkens und das Postulat der Unabhängigkeit kommunaler Körperschaften gegenüber dem Staat für die zukünftige Entwicklung dennoch von prägender Bedeutung für die Zukunft.
Freiherr vom Stein bezeichnete die kommunale Selbstverwaltung als „tätige Mitarbeit an gemeinsamen Interessen und Aufgaben“. An die Stelle von Befehl und Gehorsam tritt der Aufruf des selbstverantwortlichen Menschen in Staat und Gesellschaft. Sein Appell lautete: „Bürgersinn, der am Gemeinwesen (...) Anteil nimmt, muss an die Stelle der Passivität gesetzt werden“.
Laudatio Sonja Redel
Am Öschweg 26a, 66386 St. Ingbert
Frau Redel gehörte von 1979 - 1984 dem Stadtrat der Mittelstadt St. Ingbert an. Seit 1989 ist sie Mitglied des Kreistages des Saarpfalz-Kreises. Von 1994 - 1999 hatte sie zudem das Amt einer Kreisbeigeordneten inne. Ihr Fachwissen brachte sie auch in die Arbeit verschiedener Kreistagsausschüsse ein. Beispielhaft seien hier die Ausschüsse für Kultur, Schule und Sport, der Krankenhausschuss und der Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr und Raumordnung genannt. In der laufenden Amtszeit der Kreistages ist sie Mitglied im Finanz- und im Sozialausschuss. Seit 2004 ist Frau Redel ferner Aufsichtsratsmitglied der Kreiskrankenhaus St. Ingbert Service Gesellschaft und Mitglied der Kommission „Unser Dorf soll schöner werden“.
Kennzeichnend für das jahrzehntelange ehrenamtliche Wirken von Frau Redel im Saarpfalz-Kreis ist ihr vorbildliches soziales Engagement in Vereinen und Verbänden. So ist sie seit Jahrzehnten Mitglied des Vorstandes der Arbeiterwohlfahrt St. Ingbert; seit 1992 bzw. 1996 ist sie auch Mitglied des AWO-Kreis- bzw. AWO- Landesvorstandes. Ihr aktives Wirken reicht dabei von der Verbandsarbeit bis hin zum Mitgestalten und -wirken in konkreten Projekten (Nähprogramme, Kleiderkammer).
Ihrem Naturell entsprechend liegt ihr auch die Betreuung älterer Menschen am Herzen. So besucht sie wöchentlich Altenheime im Saarpfalz-Kreis und kümmert sich vor Ort um die Anliegen der Seniorinnen und Senioren.
Laudatio Marlene Schneider
Kandelgrundstraße 9, 66424 Homburg
Frau Schneider ist seit 1994 Mitglied des Kreistages des Saarpfalz-Kreises; zudem nimmt sie seit 1999 das Amt einer Kreisbeigeordneten wahr. Ein Blick auf die Ausschüsse, denen sie angehört, verdeutlicht, wo sie ihre Arbeitsschwerpunkte gesetzt hat, nämlich im Umwelt- und Jugendbereich sowie insbesondere im sozialen Bereich.
Von 1994 - 2004 war sie Mitglied im Beirat für Sozialhilfe, im Aufsichtsrat der Kreiskrankenhaus St. Ingbert gGmbH. Seit 1999 ist sie Mitglied im Psychiatriebeirat, im Kreispflegeausschuss und im Aufsichtsrat der gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeit und Qualifizierung im Saarpfalz-Kreis.
Neben ihrer politischen Tätigkeit ist ihr großes ehrenamtliches Engagement im Bereich der Krankenpflege hervorzuheben. Auch im Ruhestand bleibt sie ihrem ehemaligen Arbeitgeber, der Universitätsklinik Homburg, verbunden und ist weiterhin (seit 2000) Patientenfürsprecherin des Klinikums. Als Gründungsmitglied hat sie darüber hinaus die Initiative Krankenpflege e. V. mit ins Leben gerufen und nachhaltig geprägt.
Frau Schneider hat ferner maßgeblichen Anteil an der Etablierung des Pflegekongresses in Homburg, der jährlich von einem breiten Fachpublikum besucht wird. Abgerundet wird ihr beispielhaftes soziales Wirken durch ihre Mitgliedschaft bei der Lebenshilfe.

