Ausstellungen
Strahlende Farben und reduzierte Formen fordern zum Innehalten auf
Um den Patienten ihren Aufenthalt im Krankenhaus so angenehm wie möglich zu gestalten, engagiert sich die Kreiskrankenhaus St. Ingbert g GmbH auch auf kultureller Ebene. Die Geschäftsführung, vertreten durch Wolfgang Steil und Dipl.-Kfm. Frank F. Banowitz, will mit den Ausstellungen den Patienten wie auch deren Angehörigen und den Besuchern helfen, sich im positiven Sinne etwas vom Alltag zu lösen, sich abzulenken. Dafür werden im St. Ingberter Krankenhaus über das ganze Jahr verteilt mehrere Ausstellungen mit den Arbeiten von Künstlerinnen und Künstler der Region ausgerichtet.
Im März begrüßte Prokurist Uwe Kunz die geladenen und zahlreich erschienen Gäste sowie die Künstlerin zur Eröffnung ihrer ersten Ausstellung „Blickwinkel“. Rund um den Lichthof, im Hauptflur und in der chirurgischen Ambulanz des St. Ingberter Krankenhauses sind die Gemälde von Claudia Stein zu sehen. Mit ihren strahlenden Farben und den reduzierten Formen nehmen sie den Betrachter in ihren Bann und fordern ihn zum Innehalten auf. Sie lassen ihn eintauchen in eine Welt des Unbewussten, eine Welt der Gefühle, die sich in erster Linie über die Farbe mitteilt.
Viel Gelb ist zu sehen. Mal in verschiedenen Schattierungen und in Kombination mit einer einfachen Form wie in den Werken der Serie „Schwungvoll“ I bis VIII, in denen die Bildbewegung – wie der Titel schon sagt – eine große Rolle spielt. Mal in Kombination mit Rot und Blau wie in den Gemälden im Eingangsbereich, wo dunkle Konturen die unterschiedlichen Farbflächen voneinander trennen und ein tiefenräumlicher Eindruck entsteht. Oder dort, wo dem gelben Bildgrund vage zu erkennende Zeitungsausschnitte einverleibt wurden und nun dem Bild einen rätselhaften Zug verleihen. Wenn dann noch Kreuze und Kreise erscheinen, so wird dieser Eindruck noch unterstrichen und der Inhalt scheint wie verschlüsselt. Das sind die Chiffren einer Bildsprache, die in der modernen Kunst gerne verwendet wird und stets etwas Geheimnisvolles in sich birgt. Dabei lässt sich die 1965 geborene Frau bei der Arbeit von ihrer Intuition leiten; ohne genaue Bildvorstellung geht sie ans Werk und lässt sich vom Moment inspirieren. So hat sich in den letzten Monaten auch der farbige Schwerpunkt ihrer Werke ganz unbewusst geändert. Schwarz taucht in den neueren Werken häufiger auf: ein tiefes Schwarz, das trotz seiner Dunkelheit eine gewisse Wärme ausstrahlt. Das mag an den Farben im Unfeld liegen, die doch stets sehr harmonisch gehalten sind.
Überhaupt hat Claudia Stein ein gutes Gespür für die Farbe. Ob nun Gelb, Rot, Orange oder Schwarz dominiert: die Farben wirken warm und dicht. Zu einem großen Teil liegt dies an der Technik, denn gerne trägt sie viele dünnflüssige Farbschichten übereinander auf, so dass die untersten Schichten durchstrahlen und die Farbe so im farbigen Grund verankern. Oder aber sie arbeitet Materialien wie Sand, Seidenpapier, Draht oder Ton ein, die den Oberflächen so schon eine ganz besondere Dichte verleihen. Die Gemälde mit dem Titel „Im Blickwinkel“, die dieser Ausstellung ihren Namen gaben, besitzen mit dem eingearbeiteten Seidenpapier und den vielen Farbschichten eine ganz besondere Oberfläche, die mit ihrem Glanz an wertvolles Metall erinnert. Gezeigt werden aber auch kleinere Werke mit stark strukturierten Oberflächen, die leicht den Bogen zu ihren plastischen Arbeiten schlagen lassen.
Vor etwas mehr als zehn Jahren hat die leidenschaftliche Hobbykünstlerin mit einem VHS-Kurs in plastischem Gestalten begonnen. Später hat sie Kurse in Bildhauerei bei der bekannten saarländischen Bildhauerin Sigrun Olafsdottir besucht und dabei einen Sinn für das dreidimensionale Gestalten entwickelt, der sich in den hier gezeigten fünf Plastiken aus hoch gebranntem Ton offenbart. Hinter einer großen Scheibe, im Außenbereich sind sie vom Hauptflur aus zu sehen: zwei figürliche Arbeiten, ein hohler Torso und zwei Stelen. Auch hier wird mit Draht und anderen Materialien gearbeitet und es zeigt sich eine große Freude am Experimentieren und am kreativen Gestalten, die wohl viel dazu beigetragen hat, dass die „Kunst zu einem der wichtigsten Bestandteile meines Lebens geworden ist“ (C. Stein).